Orscholz - Heilklimatischer Kur- und Cloefort an der Saarschleife

Der Orkelfelsen von Orscholz

Zu Hunderten zählen die Wanderer, die alljährlich im Sommer jeden Sonntag von Mettlach zur Cloef hinaufwandern, um den unvergleichlich schönen Blick auf die Saarschleife zu genießen, die sich in großartiger Windung zwischen grün bewaldeten Felshängen um den schmalen Sporn des Montclair herumlegt.



Aber nur wenige dieser Wanderer wissen, daß ganz in der Nähe, am Rande des Dorfes Orscholz, ein anderes Naturbild zu sehen ist, das zwar weniger eindrucksvoll, aber doch sehenswert ist; das ist der Orkelsfelsen. Wenn man auf der Straße von Mettlach her sich Orscholz nähert, sieht man kurz vor dem Ort zur Linken am Südrand des Dorfes, und mittelbar an den letzten Häusern, eine Felsgruppe aufragen, die auf dem Meßtischblatt als "Orkelsfelsen" bezeichnet ist.



Von der Spitze des Felsens aus sieht man, daß er unmittelbar aus einem ebenen, von dunklem Wald gesäumten Wiesengelände aufsteigt wie ein schroffer Fels aus dem stillen Wasser eines Sees.

Angesichts dieses Gegensatzes der ruhigen, sanften, grünen Umgebung und der unruhigen, schroffen, grauen Felsmasse drängt sich dem Beschauer unwillkürlich die Frage auf: Wie kommt dieses eigenartige Naturbild zustande?
Von der Spitze des Felsens aus sieht man, daß er unmittelbar aus einem ebenen, von dunklem Wald gesäumten Wiesengelände aufsteigt wie ein schroffer Fels aus dem stillen Wasser eines Sees.



Angesichts dieses Gegensatzes der ruhigen, sanften, grünen Umgebung und der unruhigen, schroffen, grauen Felsmasse drängt sich dem Beschauer unwillkürlich die Frage auf: Wie kommt dieses eigenartige Naturbild zustande?



Auf diese Frage heißt die erste Antwort: Der Orkelsfelsen ist nur scheinbar ein von zornigen Riesen von irgendwoher mit wilder Gewalt auf den friedlichen Wiesenplan geschleudertes Wurfgeschoß, das nun als Fremdkörper hier auf dem Boden liegt, sondern er ist ein Stück des tieferen Untergrundes, der hier wie die Spitze eines versunkenen Gebirges durch jüngere Deckschichten aufragt.

Das Gestein, aus dem der Orkelsfelsen aufgebaut ist, ist nämlich dasselbe, das wir an den steilen Hängen der Saarschleife und an zahlreichen anderen Stellen in der Umgebung von Orscholz antreffen: es ist der sogenannte Taunusquarzit. Wie der Name sagt, bestehen die Höhen des Taunus jenseits des Rheins aus diesem Gestein, aber auch die lang gestreckten Rücken, die als Soonwald, Idarwald und Hochwald den Taunus links des Rheins bis zur Saar, ja bis zur Mosel fortsetzen, sind aus dem gleichen Gestein aufgebaut.



Aber während die Quarzitrücken im Taunus und im Hunsrück zu Höhen zwischen 600 und 800 m aufsteigen, liegt die Oberfläche des Quarzits bei Orscholz in etwa 400 m Höhe und sinkt weiter westlich unter das Niveau der MoseL Diese Quarzitoberfläche, die wir in der Umgebung des Orkelsfelsens als das Ergebnis einer gewaltigen, vom Karbon bis in die Buntsandsteinzeit fortgesetzten Abtragung ansehen müssen, ist nun nicht ganz eben, sondern - und damit kommen wir zur zweiten Antwort auf unsere Frage - aus ihr erheben sich einzelne inselartige Berge, die von den späteren Ablagerungen, hauptsächlich Buntsandstein- und Muschelkalkschichten, bedeckt und verhüllt worden sind.

So besteht die unmittelbare Umgebung des Orkelsfelsens, der Untergrund der saftig grünen Wiesen, aus flach lagernden Schichten des unteren Muschelkalks, und bei Sierck sind solche Quarzitklippen, durch Steinbrüche aufgeschlossen, sogar noch von mittlerem und oberem Muschelkalk eingehüllt und überdeckt.



Der Orkelsfelsen ist demnach keine Einzelerscheinung, sondern in der Umgebung von Orscholz gibt es zahlreiche solcher Quarzitklippen, vielfach allerdings ohne den Mantel jüngerer Schichten aus dem Quarzit selbst aufragend, und auch östlich der Saar ist der Südrand der Quarzitrücken von solchen Klippen begleitet, die im Landschaftsbild vielfach recht auffallende Erscheinungen darstellen und vom Volksmund mit einem besonderen Namen bedacht worden sind, z. B. der Bärenfelsen bei Waldhölzbaeh.

Unter all diesen Quarzitklippen, die als Reste einer alten versunkenen Erdoberfläche das Interesse des Naturfreundes verdienen, nimmt der Orkelsfelsen bei Orscholz einen besonderen Platz ein, nicht nur weil er so bequem zugänglich ist, sondern weil er infolge der besonderen Gestaltung der nächsten Umgebung mehr als andere ähnliche Felsen umwittert ist von dem Hauche der Vergangenheit der Erde. Ein wahres Naturdenkmal.

(Text von Studienrat Gärtner)